Präventionsprogramme für Schulen: Überblick und Auswahlkriterien
Welche schulischen Präventionsprogramme es gibt, für welche Klassen sie gedacht sind und woran Schulen ein gutes Programm erkennen.
Für Schulen gibt es eine Reihe erprobter Suchtpräventionsprogramme, vom Grundschulprogramm über Lebenskompetenztrainings in der Mittelstufe bis zu Klassenwettbewerben gegen Rauchen und Rauschtrinken. Daneben gibt es Angebote der sogenannten Frühintervention, die sich an Jugendliche richten, die bereits konsumieren. Diese Seite gibt einen Überblick und nennt Kriterien, mit denen Schulen das passende Programm finden.
Hinweis. Die Übersicht ist nicht vollständig und keine Bewertung. Altersangaben, Bedingungen und Träger können sich ändern. Prüfen Sie die aktuellen Informationen immer direkt beim Träger oder in der Grünen Liste Prävention.
Universelle Prävention: Programme für ganze Klassen
Universelle Programme richten sich an alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse, unabhängig davon, ob sie schon konsumieren. Die meisten setzen auf Lebenskompetenzen, also auf Fähigkeiten, die vor Suchtmittelmissbrauch und anderen Risiken schützen. Was damit gemeint ist, beschreibt die Seite Schutzfaktoren.
| Programm | Altersstufe | Schwerpunkt | Träger |
|---|---|---|---|
| Klasse2000 | Grundschule, Klasse 1 bis 4 | Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung, Lebenskompetenzen | Klasse2000 e. V., Nürnberg |
| Eigenständig werden | Klasse 1 bis 4, Ergänzung für Klasse 5 und 6 | Lebenskompetenzen und Gesundheitsförderung im Unterricht | IFT-Nord, Kiel |
| ALF (Allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten) | Klasse 5 und 6 | Lebenskompetenzen, Informationen zu Nikotin und Alkohol | IFT Institut für Therapieforschung, München |
| IPSY | Klasse 5 bis 7 | Lebenskompetenzen und Wissen zu Alkohol und Tabak | Universität Jena |
| Lions Quest „Erwachsen werden“ | Sekundarstufe I, ab Klasse 5 | Soziale und emotionale Kompetenzen, Prävention | Hilfswerk der Deutschen Lions |
| Be Smart, Don’t Start | vor allem Klasse 6 bis 8 | Klassenwettbewerb zum Nichtrauchen, auch E-Zigaretten | IFT-Nord, Kiel |
| klar bleiben | ab Klasse 9 | Klassenwettbewerb gegen Rauschtrinken | IFT-Nord, Kiel |
Kurz erklärt
Klasse2000 begleitet Kinder durch die gesamte Grundschulzeit. Neben Lehrkräften gestalten speziell geschulte Gesundheitsförderinnen und -förderer einzelne Stunden. Themen sind Körper, Bewegung, Ernährung, Gefühle, Konflikte und später auch Tabak und Alkohol.
Eigenständig werden ist ein Unterrichtsprogramm, das von dafür geschulten Lehrkräften umgesetzt wird. Es fördert Wissen über Körper und Gefühle sowie Kommunikation, Entspannung und Konfliktlösung.
ALF und IPSY sind Lebenskompetenzprogramme für den Übergang in die weiterführende Schule, eine Phase, in der erste Erfahrungen mit Nikotin und Alkohol häufiger werden. Beide verbinden Übungen zu Selbstwert, Kommunikation und Standfestigkeit mit Informationen zu Suchtmitteln.
Lions Quest „Erwachsen werden“ ist ein Programm zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen in der Sekundarstufe, das Lehrkräfte nach einer Fortbildung im Unterricht einsetzen.
Be Smart, Don’t Start und klar bleiben sind Klassenwettbewerbe. Die Klasse verpflichtet sich gemeinsam, über einen festgelegten Zeitraum nicht zu rauchen beziehungsweise keinen Alkohol oder keinen riskanten Alkohol zu trinken. Der Gruppenansatz nutzt den Zusammenhalt der Klasse und macht Nichtkonsum zur Norm.
Frühintervention: wenn bereits konsumiert wird
Einige bekannte Programme richten sich nicht an ganze Klassen, sondern an Jugendliche, die bereits auffällig konsumiert haben, oder an Fachkräfte, die mit ihnen arbeiten. Schulen stoßen auf sie meist über die Zusammenarbeit mit der örtlichen Suchtberatung.
| Programm | Zielgruppe | Schwerpunkt | Träger und Entwicklung |
|---|---|---|---|
| HaLT (Hart am Limit) | Kinder und Jugendliche nach riskantem Alkoholkonsum | Gespräche nach einer Alkoholvergiftung, ergänzend kommunale Alkoholprävention | entwickelt in Lörrach, vor Ort umgesetzt von Beratungsstellen und Kommunen |
| FreD (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumierenden) | junge Menschen etwa zwischen 14 und 21 Jahren | Gruppenkurs nach einer ersten Auffälligkeit, zum Beispiel bei Polizei oder Schule | entwickelt von der LWL-Koordinationsstelle Sucht, umgesetzt von örtlichen Trägern |
| MOVE (Motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen) | Fachkräfte, zum Beispiel aus Schule und Jugendhilfe | Fortbildung in motivierender Gesprächsführung | ginko Stiftung für Prävention, Mülheim an der Ruhr |
Für Lehrkräfte ist vor allem MOVE interessant: Die Fortbildung vermittelt, wie man mit konsumierenden Jugendlichen ins Gespräch kommt, ohne zu moralisieren, und ihre eigene Veränderungsbereitschaft stärkt. Ob ein Angebot in Ihrer Region verfügbar ist, erfahren Sie bei der örtlichen Suchtberatung oder der Fachstelle für Suchtprävention.
Die Grüne Liste Prävention als Orientierung
Die Grüne Liste Prävention ist eine Online-Datenbank des Landespräventionsrats Niedersachsen. Sie stellt Präventionsprogramme vor, die in Deutschland verfügbar sind, und ordnet sie nach der Stärke ihres Wirksamkeitsnachweises in drei Stufen ein: Effektivität theoretisch gut begründet, Effektivität wahrscheinlich und Effektivität nachgewiesen. Für Schulen ist sie ein guter Startpunkt, weil sie Programme nach Alter, Themen und Setting filterbar macht und ihre Bewertung begründet.
Woran Sie ein gutes Programm erkennen
Bei der Auswahl helfen diese Fragen:
- Gibt es einen Wirksamkeitsnachweis? Wurde das Programm in kontrollierten Studien untersucht? Wie ist es in der Grünen Liste eingestuft?
- Läuft es über längere Zeit? Programme, die sich über mehrere Wochen oder Schuljahre erstrecken, haben nach heutigem Kenntnisstand deutlich bessere Chancen als ein einmaliger Vortrag oder ein Projekttag.
- Sind die Lehrkräfte eingebunden? Wenn Lehrkräfte geschult werden und das Programm selbst umsetzen, bleibt es auch nach dem Projektende an der Schule.
- Passt es zur Altersstufe? Grundschulkinder brauchen andere Inhalte als Jugendliche in der neunten Klasse.
- Werden Eltern einbezogen? Programme mit Elternbausteinen erreichen auch das Zuhause.
- Ist es interaktiv? Rollenspiele, Diskussionen und Übungen wirken besser als reine Wissensvermittlung.
- Ist es umsetzbar? Zeitaufwand, Kosten und Fortbildungsbedarf sollten zur Schule passen.
Hinweis. Abschreckung allein, etwa durch drastische Bilder oder Berichte ehemals Abhängiger ohne pädagogische Einbettung, gilt in der Präventionsforschung als wenig wirksam. Sinnvoller ist es, solche Elemente, wenn überhaupt, in ein längerfristiges Programm einzubetten.
Die Rolle der Lehrkräfte
Die meisten Lebenskompetenzprogramme setzen darauf, dass Lehrkräfte sie selbst im Unterricht umsetzen. Das hat Vorteile: Lehrkräfte kennen ihre Klasse, können Themen im Schulalltag wieder aufgreifen und bleiben auch nach dem Programmende Ansprechpartner. Dafür brauchen sie eine Einführungsfortbildung, Material und Zeit im Stundenplan.
Für Schulleitungen bedeutet das:
- Fortbildungen frühzeitig einplanen und, wo möglich, mehrere Lehrkräfte eines Jahrgangs gemeinsam schulen,
- Stunden für das Programm fest im Stundenplan oder in Fächern wie Klassenleitungsstunde, Biologie oder Ethik verankern,
- neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten, damit das Programm nicht mit einer Person steht und fällt,
- einen regelmäßigen Austausch im Kollegium ermöglichen, etwa einmal im Halbjahr.
Externe Fachkräfte können solche Programme sinnvoll ergänzen, etwa mit einem Workshop in der achten Klasse. Sie ersetzen aber nicht die kontinuierliche Arbeit im Unterricht.
Praktische Schritte zur Einführung
- Bestandsaufnahme: Welche Programme laufen schon? Wo gibt es Lücken, etwa beim Übergang von der Grundschule?
- Beratung holen: Die regionale Fachstelle für Suchtprävention kennt die Angebote vor Ort.
- Kollegium gewinnen: Ein Programm trägt nur, wenn mehrere Lehrkräfte mitmachen.
- Eltern informieren: zum Beispiel bei einem Elternabend.
- Verankern: das Programm ins Schulkonzept schreiben, damit es Personalwechsel übersteht.
Wie diese Bausteine in ein Gesamtkonzept passen, zeigt die Übersicht Suchtprävention in der Schule.
Quellen und weiterführende Informationen
Fragen und Antworten
- Welches Präventionsprogramm ist das beste?
- Ein bestes Programm für alle Schulen gibt es nicht. Entscheidend ist, ob es zur Altersstufe, zu den Themen und zu den Möglichkeiten der Schule passt und ob es Belege für seine Wirksamkeit gibt. Die Grüne Liste Prävention und regionale Fachstellen für Suchtprävention helfen bei der Auswahl.
- Was kosten schulische Präventionsprogramme?
- Das ist sehr unterschiedlich. Manche Wettbewerbe sind kostenlos, andere Programme finanzieren sich über Patenschaften, Fördermittel oder Krankenkassen, oder es fallen Kosten für Lehrkräfteschulung und Material an. Die aktuellen Bedingungen nennen die Träger auf ihren Websites.
- Kann eine Schule mehrere Programme kombinieren?
- Ja, oft ist das sogar sinnvoll, etwa ein Lebenskompetenzprogramm in der Grundschule, ein weiteres in der Unterstufe und ein Wettbewerb zum Nichtrauchen. Wichtig ist, dass die Bausteine aufeinander aufbauen und nicht jedes Jahr etwas völlig Neues beginnt.
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- Schule
Welche Bausteine wirksame schulische Suchtprävention ausmachen und wie Schulen bei Konsum auf dem Gelände vorgehen.
- Elternabend
Ein Ablaufplan für 90 Minuten, Methoden für mehr Austausch, eine Checkliste und ein Einladungstext zum Anpassen.
- Schutzfaktoren
Selbstvertrauen, Gefühle regulieren, Neinsagen: wie Sie die wichtigsten Schutzfaktoren im Alltag fördern.
Zuletzt überarbeitet am 10. Oktober 2026.