Über Alkohol, Cannabis und Medien reden: Gespräche nach Alter
Konkrete Formulierungen für Gespräche über Alkohol, Nikotin, Cannabis und Medien, von der Grundschule bis zur Volljährigkeit.
Gespräche über Alkohol, Nikotin, Cannabis und Medien gelingen, wenn sie zum Alter passen, kurz bleiben und immer wieder stattfinden. Mit einem Grundschulkind reden Sie anders als mit einer 15-Jährigen vor der ersten Party. Diese Seite zeigt, welche Themen in welcher Phase wichtig sind, mit Formulierungen, die Sie direkt übernehmen oder anpassen können.
Grundregeln für jedes Alter
Unabhängig vom Alter helfen ein paar Prinzipien:
- Fragen statt Vortrag. „Was weißt du eigentlich über Vapes?“ öffnet mehr als ein Monolog über Nikotin.
- Zuhören und aushalten. Nicht jede Antwort Ihres Kindes muss sofort korrigiert werden.
- Ehrlich bleiben. Übertreibungen wie „Wer einmal kifft, ist abhängig“ untergraben Ihre Glaubwürdigkeit, sobald das Kind andere Erfahrungen hört.
- Den richtigen Moment wählen. Nicht wenn das Kind müde, betrunken oder mitten im Streit ist.
- Sachfragen ehrlich offenlassen. „Das weiß ich nicht genau, lass uns nachschauen“ ist eine gute Antwort.
Hintergrundwissen zu den einzelnen Substanzen finden Sie im Bereich Suchtprävention, etwa zu Alkohol.
Grundschulalter: erklären, was Kinder sehen
Kinder im Grundschulalter bekommen mit, dass Erwachsene Wein trinken, rauchen oder ständig aufs Handy schauen. Sie stellen Fragen, und das ist eine gute Gelegenheit.
Worum es geht: einfache, wahre Erklärungen, Gefühle benennen, Medienzeiten begleiten.
Formulierungsbeispiele:
- „Wein ist ein Getränk für Erwachsene. Für Kinder ist Alkohol schädlich, weil ihr Körper und ihr Gehirn noch wachsen.“
- „Opa raucht, weil er damit vor langer Zeit angefangen hat und jetzt schwer aufhören kann. Das nennt man abhängig sein.“
- „Wenn du traurig oder wütend bist, was hilft dir dann?“
Bei Medien geht es in diesem Alter um feste Zeiten, gemeinsam ausgesuchte Inhalte und Altersfreigaben. Gute Anregungen dafür bietet klicksafe. Lebenskompetenzen wie Gefühle ausdrücken, Streit lösen und Nein sagen sind die eigentliche Suchtprävention in dieser Phase.
10 bis 13 Jahre: Regeln begründen, Argumente liefern
Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule ändert sich der Freundeskreis. Erstes Smartphone, Gruppenchats, Online-Spiele und erste Angebote von Älteren kommen dazu, häufig zuerst Zigaretten oder Vapes.
Worum es geht: klare Regeln mit Begründung, Ablehnen üben, über Werbung und Social Media sprechen.
Formulierungsbeispiele:
- „In unserer Familie gibt es bis 16 keinen Alkohol. Nicht, weil wir dir nicht vertrauen, sondern weil Alkohol in deinem Alter dem Gehirn mehr schadet als bei Erwachsenen.“
- „Wenn dir jemand eine Vape anbietet, was könntest du sagen, ohne dass es peinlich wird?“
- „Ist dir aufgefallen, wie oft in Videos Alkohol cool aussieht? Wer verdient eigentlich daran?“
Bei Medien und Gaming lohnt es sich, Bildschirmzeiten gemeinsam festzulegen und das Lieblingsspiel des Kindes einmal selbst anzuschauen. Hinweise zu exzessivem Spielen finden Sie unter Medien und Gaming.
14 bis 16 Jahre: im Gespräch bleiben, Partys vorbereiten
In dieser Phase finden die meisten ersten Erfahrungen mit Alkohol statt, oft auf Partys. Jugendliche grenzen sich stärker ab, wollen eigene Entscheidungen treffen und reagieren empfindlich auf Kontrolle.
Worum es geht: Vereinbarungen statt Verbote allein, Sicherheit auf Partys, Cannabis und Gruppendruck.
Formulierungsbeispiele:
- „Mir ist wichtig, dass du sicher nach Hause kommst. Was brauchst du dafür von mir?“
- „Wenn du oder jemand anderes in Schwierigkeiten ist, ruf an. Egal wann, egal wo. Ich hole dich ab und wir reden erst am nächsten Tag darüber.“
- „Was denkst du über Cannabis, jetzt wo es für Erwachsene erlaubt ist? Was hörst du dazu von anderen?“
Konkrete Absprachen vor einer Party können sein: wer fährt, wann Abholzeit ist, dass niemand allein gelassen wird und dass ein betrunkener Freund nicht einfach schlafen gelegt wird. Für 14- und 15-Jährige gilt im Jugendschutzgesetz noch die Ausnahme des sogenannten begleiteten Trinkens. Die Bundesregierung hat im August 2026 beschlossen, diese Ausnahme abzuschaffen; ob und wann das Gesetz geändert wird, ist noch offen. Details unter Jugendschutz und Recht.
Hinweis. Die Zusage „Du kannst immer anrufen“ wirkt nur, wenn sie auch eingehalten wird. Wer nachts abgeholt wird und sofort eine Strafpredigt bekommt, ruft beim nächsten Mal vielleicht nicht an.
Ab 16 Jahren: Eigenverantwortung und Risikokompetenz
Ab 16 dürfen Jugendliche nach dem Jugendschutzgesetz Bier, Wein und Sekt kaufen, länger ausgehen und bald Auto fahren lernen. Eltern verlieren an direktem Einfluss, bleiben aber wichtige Gesprächspartner.
Worum es geht: eigene Grenzen kennen, Mischkonsum, Alkohol und Cannabis im Straßenverkehr, Hilfe für Freunde.
Formulierungsbeispiele:
- „Woran merkst du, dass es für dich genug ist? Und was machst du dann?“
- „Alkohol oder Cannabis und Fahren passen nie zusammen. Auch nicht als Beifahrer bei jemandem, der konsumiert hat.“
- „Was würdest du tun, wenn ein Freund nicht mehr ansprechbar ist?“
In diesem Alter darf das Gespräch auch die Frage einschließen, wie Ihr Kind selbst den eigenen Konsum einschätzt. Wenn es dazu Fragen hat, die es mit Ihnen nicht besprechen möchte, können Online-Angebote und die Suchtberatung eine neutrale Alternative sein.
Wenn ein Gespräch schiefgeht
Nicht jedes Gespräch gelingt. Türen knallen, es fallen Sätze, die man bereut. Das ist kein Grund, das Thema aufzugeben. Sie können später zurückkommen: „Gestern ist das Gespräch blöd gelaufen. Mir war es trotzdem wichtig, und ich würde es gern noch mal versuchen.“ Eine Entschuldigung für einen lauten Ton zeigt Ihrem Kind, wie man mit Konflikten umgeht, ohne die eigene Haltung aufzugeben.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
| Fehler | Besser |
|---|---|
| Das Thema erst ansprechen, wenn etwas passiert ist | Früh und nebenbei anfangen |
| Angst machen und übertreiben | Sachlich bleiben, Risiken ehrlich benennen |
| Verhör mit Fragenkatalog | Offene Fragen, eigene Meinung als Ich-Botschaft |
| Regeln ohne Begründung | Erklären, warum die Regel gilt |
| Eigenen Konsum ausklammern | Das eigene Verhalten offen ansprechen |
| Nach einem Fehler Kontaktabbruch oder Schweigen | Konsequenz ja, Beziehung bleibt |
Familienregeln gemeinsam vereinbaren
Regeln wirken besser, wenn das Kind beteiligt ist. Ein Familiengespräch, in dem jeder Vorschläge machen darf, kann zum Beispiel diese Punkte klären:
- Alkohol und Nikotin: Was gilt in unserer Familie, bis zu welchem Alter?
- Ausgehen: Abholzeiten, Erreichbarkeit, Übernachtungen.
- Medien: handyfreie Zeiten, zum Beispiel beim Essen und nachts, Umgang mit Spielen ab einer bestimmten Altersfreigabe.
- Notfallregel: Anrufen ist immer erlaubt, ohne sofortigen Ärger.
- Konsequenzen: Was passiert, wenn eine Regel gebrochen wird?
Schreiben Sie die Vereinbarungen auf und überprüfen Sie sie etwa einmal im Jahr. Mit dem Älterwerden dürfen Regeln lockerer werden, das ist ein Zeichen von Vertrauen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass trotz Gesprächen etwas aus dem Ruder läuft, lesen Sie weiter unter Warnsignale.
Quellen und weiterführende Informationen
Fragen und Antworten
- Soll ich meinem Kind erzählen, dass ich selbst als Jugendlicher getrunken oder gekifft habe?
- Das kann die Glaubwürdigkeit stärken, wenn Sie ehrlich und ohne Verklärung erzählen, auch was schiefging. Sie müssen aber nicht alles offenlegen. Ein Satz wie „Ich habe damals auch Dummheiten gemacht und weiß, wie schnell das kippt“ reicht oft.
- Was antworte ich auf „Aber alle anderen dürfen das“?
- Nehmen Sie den Einwand ernst, ohne sofort nachzugeben. Fragen Sie nach, wer genau was darf, und sprechen Sie gegebenenfalls mit anderen Eltern. Erklären Sie, dass in Ihrer Familie eigene Regeln gelten und warum.
- Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind mich auf meinen eigenen Alkoholkonsum anspricht?
- Nehmen Sie die Frage als Zeichen dafür, dass Ihr Kind aufmerksam ist. Antworten Sie ehrlich, statt abzuwehren. Wenn Sie selbst merken, dass Ihr Konsum zum Problem wird, ist eine Suchtberatungsstelle auch für Sie ein guter Ansprechpartner.
Weiterlesen
- Alkohol
Altersgrenzen, Rauschtrinken, Partys und was im Notfall zu tun ist.
- Medien und Gaming
Bildschirmzeit nach Alter, Warnzeichen, Mediennutzungsvertrag und technische Schutzeinstellungen.
- Jugendschutz und Recht
Alkohol, Rauchen, Vapes, Disko, Glücksspiel, Games und Cannabis: die Altersgrenzen im Überblick, plus Aufsichtspflicht und Muttizettel.
Zuletzt überarbeitet am 10. Oktober 2026.