Eltern

Wenn das Kind konsumiert: Was Eltern jetzt tun können

Betrunken nach Hause, Cannabis im Rucksack, nächtelang gezockt: Wie Eltern ruhig reagieren und wann sie Hilfe holen.

Wenn Ihr Kind betrunken nach Hause kommt, Sie Cannabis finden oder das Spielen außer Kontrolle gerät, ist die wichtigste Regel: zuerst Sicherheit, dann Gespräch, dann Konsequenzen. Klären Sie, ob Gefahr besteht, verschieben Sie die Auseinandersetzung auf den nächsten Tag und holen Sie sich Unterstützung, wenn es nicht beim einmaligen Vorfall bleibt.

Akut: Ihr Kind kommt betrunken nach Hause

Die erste Frage ist nicht „Wie konntest du nur?“, sondern: Ist mein Kind in Gefahr?

Notfall Alkoholvergiftung: sofort 112 rufen, wenn Ihr Kind

  • nicht oder kaum weckbar ist,
  • unregelmäßig, sehr langsam oder flach atmet,
  • sich erbricht und dabei nicht richtig wach ist,
  • krampft, sehr blass oder bläulich ist oder sich kalt anfühlt.

Bis Hilfe kommt: in die stabile Seitenlage bringen, warm halten, nicht allein lassen. Keine kalte Dusche, keinen Kaffee, nicht zum Erbrechen bringen. Wenn Sie wissen, was und wie viel getrunken oder genommen wurde, sagen Sie es dem Rettungsdienst.

Wenn Ihr Kind ansprechbar ist und keine Warnzeichen zeigt:

  • Bleiben Sie ruhig. Diskussionen mit einem betrunkenen Menschen führen zu nichts.
  • Geben Sie Wasser, lassen Sie es nicht allein ins Bett gehen, ohne gelegentlich nachzusehen.
  • Achten Sie darauf, dass es auf der Seite liegt, falls es sich übergeben muss.
  • Sagen Sie einen einzigen Satz: „Wir reden morgen darüber.“

Bei unklaren Fällen, etwa wenn neben Alkohol Tabletten oder andere Substanzen im Spiel sein könnten, berät auch der Giftnotruf Ihres Bundeslandes rund um die Uhr. Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu oft die 112.

Sie finden Cannabis oder Vapes

Ein Fund im Zimmer oder in der Jackentasche ist ein Schreck, aber noch kein Beweis für ein Suchtproblem. Viele Jugendliche probieren einmal oder wenige Male und hören wieder auf.

So gehen Sie vor:

  1. Nicht sofort konfrontieren, sondern einen ruhigen Zeitpunkt wählen.
  2. Sagen, was Sie gefunden haben, ohne Verhörton: „Ich habe das in deiner Jacke gefunden. Ich möchte verstehen, was dahintersteckt.“
  3. Zuhören. Gehört es wirklich dem Kind? Wie oft wird konsumiert, mit wem, aus welchem Grund?
  4. Ihre Haltung klar sagen: Cannabis ist für Minderjährige verboten und in der Entwicklung besonders riskant.
  5. Vereinbarungen treffen und einen Termin festlegen, an dem Sie wieder darüber sprechen.

Für Erwachsene ist Cannabis seit April 2024 unter bestimmten Bedingungen erlaubt, für unter 18-Jährige bleibt Besitz und Erwerb verboten. Wird ein Kind von der Polizei mit Cannabis angetroffen, informiert diese die Eltern; bei Hinweisen auf eine Gefährdung wird auch das Jugendamt eingeschaltet, das auf Frühinterventionsangebote hinwirken soll. Mehr zur Wirkung unter Cannabis, zur Rechtslage unter Jugendschutz und Recht.

Exzessives Zocken und Handy

Bei Medien gibt es keinen Notfall im engeren Sinn, aber oft eine zugespitzte Lage: nächtelanges Spielen, Wutausbrüche, Schulverweigerung. Hier hilft weniger ein spontanes Handyverbot als ein schrittweiser Plan:

  • Gemeinsam aufschreiben, wann und wie lange tatsächlich gespielt wird.
  • Feste medienfreie Zeiten vereinbaren, vor allem nachts, Geräte außerhalb des Schlafzimmers laden.
  • Alternativen anbieten, die das Kind wirklich interessieren, nicht nur Pflichten.
  • Bei In-Game-Käufen Zahlungswege sperren und Ausgaben gemeinsam ansehen.

Wenn Vereinbarungen immer wieder scheitern, ist eine Beratungsstelle mit Schwerpunkt Medien sinnvoll. Hintergründe unter Medien und Gaming.

Das Gespräch am nächsten Tag

Ein gutes Gespräch findet statt, wenn alle nüchtern, ausgeschlafen und nicht unter Zeitdruck sind. Bereiten Sie sich vor, wenn möglich gemeinsam mit dem anderen Elternteil.

Hilfreich:

  • Mit der Sorge beginnen, nicht mit dem Vorwurf: „Ich hatte gestern Angst um dich.“
  • Fragen, was passiert ist, und die Antwort abwarten.
  • Das eigene Gefühl benennen, ohne das Kind abzuwerten.
  • Konkret werden: Was soll sich ändern, was braucht das Kind dafür?

Weniger hilfreich:

  • Lange Vorträge und Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Jugendlichen
  • Drohungen, die Sie nicht umsetzen wollen
  • Das Thema nach einem Streit nie wieder ansprechen

Sätze, die das Gespräch öffnen

Gerade wenn Sie wütend oder erschrocken sind, ist es schwer, die richtigen Worte zu finden. Diese Formulierungen können helfen:

  • „Ich bin froh, dass dir nichts Schlimmeres passiert ist. Und ich möchte verstehen, wie es dazu kam.“
  • „Ich bin nicht hier, um dich fertigzumachen. Aber ich mache mir Sorgen, und darüber müssen wir reden.“
  • „Was war für dich gestern der Grund, so viel zu trinken?“
  • „Was hätte dir geholfen, früher aufzuhören oder anzurufen?“
  • „Was schlägst du vor, damit das nicht wieder passiert?“

Wenn Ihr Kind wenig sagt, ist das noch kein Misserfolg. Manchmal wirkt ein Gespräch erst Tage später nach. Wichtig ist, dass es merkt: Meine Eltern sind enttäuscht, aber sie bleiben an meiner Seite. Weitere Anregungen für Gespräche je nach Alter finden Sie unter Gespräche nach Alter.

Konsequenzen: angemessen und vorhersehbar

Konsequenzen sind sinnvoll, wenn sie zum Vorfall passen, vorher bekannt waren und zeitlich begrenzt sind. Beispiele sind eine Zeit lang frühere Abholzeiten, keine Übernachtungen auswärts oder eine Einschränkung beim Taschengeld, wenn Geld für Alkohol ausgegeben wurde. Die Botschaft sollte lauten: Das Verhalten hat Folgen, aber unsere Beziehung steht nicht zur Debatte.

Eine Ausnahme ist die Notfallregel: Wenn Ihr Kind selbst angerufen hat, um abgeholt zu werden, sollte das anerkannt werden. Sonst lernt es, beim nächsten Mal lieber nicht anzurufen.

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie sich Unterstützung, wenn

  • der Konsum sich wiederholt oder steigert,
  • Vereinbarungen dauerhaft nicht eingehalten werden,
  • Schule, Freundschaften oder Gesundheit leiden,
  • Sie selbst nicht mehr weiterwissen oder sich hilflos fühlen.

Suchtberatungsstellen beraten Eltern auch ohne das Kind. Viele Regionen bieten zudem Frühinterventionskurse für junge Menschen an, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt wegen Alkohol oder nach einem ersten Kontakt mit der Polizei. Alle Anlaufstellen mit Kontaktdaten finden Sie unter Hilfe und Beratung.

Geschwister nicht vergessen

Wenn ein Kind viel Aufmerksamkeit braucht, geraten Geschwister leicht aus dem Blick. Sie spüren die Spannungen, sorgen sich oder fühlen sich zurückgesetzt. Erklären Sie ihnen altersgerecht, was los ist, ohne sie zu Verbündeten oder Aufpassern zu machen, und reservieren Sie bewusst Zeit nur für sie.

Auch an sich selbst denken

Sorgen um ein Kind sind belastend. Schlaflose Nächte, Schuldgefühle und Streit in der Partnerschaft sind häufige Begleiter. Sie helfen Ihrem Kind am meisten, wenn Sie selbst stabil bleiben.

Hinweis. Sie sind nicht schuld daran, dass Ihr Kind konsumiert, und Sie müssen es nicht allein lösen. Gespräche mit anderen Eltern, etwa in Elternkreisen, oder eine Beratung nur für Sie selbst können entlasten und neue Wege zeigen.

Quellen und weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Soll ich die Polizei rufen, wenn ich Drogen bei meinem Kind finde?
Dazu sind Eltern nicht verpflichtet. In den meisten Fällen ist ein Gespräch mit dem Kind und gegebenenfalls einer Suchtberatungsstelle der bessere Weg. Anders kann es aussehen, wenn Sie Hinweise auf Handel oder eine Gefährdung anderer haben; dann ist eine rechtliche Beratung sinnvoll.
Darf ich gefundenes Cannabis selbst wegwerfen?
Minderjährige dürfen Cannabis nach dem Konsumcannabisgesetz nicht besitzen. Viele Beratungsstellen raten Eltern, gefundene Mengen nicht aufzubewahren, sondern zu vernichten, und das Kind darüber zu informieren. Bei größeren Mengen oder Unsicherheit lassen Sie sich beraten.
Mein Kind sagt, es hat alles im Griff. Soll ich ihm glauben?
Nehmen Sie die Aussage ernst, aber prüfen Sie sie gemeinsam: Gelingt es ihm, eine vereinbarte Zeit nicht zu konsumieren oder nicht zu spielen? Wenn das wiederholt nicht klappt, ist das ein Hinweis, dass Unterstützung von außen hilfreich wäre.

Zuletzt überarbeitet am 10. Oktober 2026.